Bin auf dem Weg zum 7. Lauf für Stuttgart 21. Eigentlich benötige ich ja nur Equipment für die Fortsetzung meines ersten Selbstversuchs zur Meinungsfreiheit in der baden-württembergischen Landeshauptstadt, die im Zeichen vom Protest gegen das Projekt Stuttgart 21 steht. Und da kann ich auch gleich die Gegenseite testen.

Grundsätzlich steht die Aussage von Projektbefürwortern im Raum, dass sie in der Stadt nicht mehr ihre Meinung sagen könnten: Sie würden bepöbelt werden und ihnen würde Gewalt angedroht werden. Gestützt wird diese These durch einen leicht zweifelhaften Bericht vom Fernseh-Politikmagazin BR kontrovers.

Die Fragestellung für Selbstversuch Nr. 2 ist also: Werden die Befürworter ein ehrenwerteres Verhalten zeigen, als sie bei Ihren ’Widersachern’ kritisieren? – Um eines vorweg zu nehmen: Sie ticken natürlich nicht alle gleich, diese Gegnergegner. Man kann nicht sagen dass sie alle in gleichem Maße differenziert oder undifferenziert denken und argumentieren oder dass alle zu jedem Thema dieselbe Meinung haben. Ist eigentlich wohl selbstverständlich, wird aber trotzdem gerne mal vergessen. (Das Gleiche gilt für die Projekt-Gegnerschaft.)

Zur Vorbereitung ein paar Überlegungen vorweg:

  1. Ich will nicht provozieren, weder durch Sprüche, noch durch Plakate, noch durch Aussehen. Aber ich will als Projektgegner zu erkennen sein. Wie kriege ich das hin? Meine Idee: Kleidung wie ein typischer Befürworter ist heute angesagt! Ich ziehe mir ein weißes Hemd, ein Sakko, einen Mantel und Lederschuhe an. Die Jeans muss schon noch drin sein. Als Erkennungssignal stecke ich mir einen ‘Oben bleiben’-Button ans Mantelrevers.
  2. Passt Business-Wear zu einer Laufveranstaltung? Ich sehe kein Problem darin, da der Treffpunkt für 18.30 Uhr verkündet wurde, Start aber erst um 19.00 Uhr ist. Es wird also sicherlich noch ein Rahmenprogramm geben, bei dem auch noch andere Menschen zu erwarten sind. Immerhin gab es ja lt. offiziellen Angaben bei der letzten Veranstaltung 5.000 Demonstranten. Bei so vielen Menschen dürfte ich wohl adäquat angezogen sein. Sportkleidung (und damit eine Beteiligung an der Laufveranstaltung) will ich nicht auswählen aus dem schnöden Grund, dass ich auf dem Weg noch etwas zu erledigen habe, bei dem die Kleidung nicht angebracht ist.
  3. Ich werde weder meine Meinung verleugnen, noch die Tatsache, dass es sich um einen Selbstversuch handelt.

Nun reise ich also mit der Bahn zum Startpunkt Mineralbäder und bin 15 Min. früher an der Haltestelle. Dabei stelle ich schon mal fest:

  1. In der Bahn befinden sich zahlreiche Projektgegner -laut verschiedenster Buttons. Die meisten fahren aber weiter in Richtung Fellbach.
  2. In meinem Blickfeld sind in der Bahn keine Pro-Sportler sichtbar.
  3. An der Haltestelle entdecke ich dann doch ein, zwei von ihnen und einen Polizist auf seinem Motorrad: Zeichen der Kundgebung sind doch vereinzelt vorhanden.
  4. An der Haltestelle Mineralbäder gibt es sehr, sehr viele Krähen.
  5. Der Treffpunkt ist nicht ausgeschildert.

Kurz vor Veranstaltungsbeginn also keine Kundgebungsbesucherströme. Ich überlege also, wohin ich gehen sollte und finde auch bald den Lauftreff. Was ich dort sehe, ist erst einmal enttäuschend. Die Berichterstattung dazu gibt es im nächsten Artikel.

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Ein wahrhaft großer Mann wird weder einen Wurm zertreten, noch vor dem Kaiser kriechen.

Benjamin Franklin

König Mappus. Bild: (c) SWR

König Mappus. Bild: (c) SWR

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Unterkriegen

On 8. Oktober 2010, in Pösie, Zitate, by mfb

Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!

Aus Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf

Pippi Langstrumpf

Pippi Langstrumpf

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Über die Bauart langdauernder Werke

On 5. Oktober 2010, in Pösie, by mfb

Wie lange
dauern die Werke?  So lange
Als bis sie fertig sind.
Solange sie nämlich Mühe machen
Verfallen sie nicht,
Einladend zur Mühe,
Belohnend die Beteiligung
Ist ihr Wesen von Dauer, solange
Sie einladen und belohnen.
Die nützlichen
Verlangen Menschen,
Die kunstvollen haben Platz für Kunst,
Die weisen verlangen Weisheit,
Die zur Vollständigkeit bestimmten
Weisen Lücken auf,
Die lang andauernden
Sind ständig am Einfallen,
Die wirklich gross geplanten
Sind unfertig.

Bertolt Brecht (1929)

Gesehen heute in Augsburg (Zeile 1-5).

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Wasserwerfer

On 1. Oktober 2010, in Stuttgart 21, nichts, by mfb

Gestern wurde mit Polizeigroßaufgebot, mit Wasserwerfern, Schlagstöcken, Pfefferspray gegen gewaltsam gegen gewaltlose Demonstranten vorgegangen. Ich war live dabei. Habe kein Verständnis für ein solches, hartes Vorgehen. Alte Menschen wurden von Polizisten zu Boden gestoßen und von Schlagstöcken bedroht. Wirklich alte Menschen. Das, was ich gesehen habe, führt einerseits zu höchstem Respekt vor den alten Menschen. Andererseits habe ich Menschen in Rüstung gesehen, die lieber einem anderen Job nachgehen sollten, z. B. der Müllsortierung. Das würde deren sozialen Kompetenzen entsprechen.

Ich habe auch einen Vater (oder großen Bruder) gesehen, der sich mit einem ca. siebenjährigen Jungen vor ein Polizeifahrzeug gesetzt hat. Dieser werte Mann sollte vielleicht auch eher mal überlegen, in was für eine Scheiße er den Jungen, sich und letzten Endes die Widerstandsbewegung führt.

Es gab Schwerverletzte aufgrund der Polizeiaktion. Ich habe dagegen nicht eine Gewalttat von Demonstranten beobachten können.

Ach ja: Es wurden auch Bäume gefällt.

Während der Baumfällung sind lt. Polizeifunk, der über das Internet gestreamt wurde, alle drei Minuten Flaschenwürfe bemerkt worden. Der Sprecher betonte, dass diese Würfe gezielt gegen die (gepanzerten) Fahrzeuge gerichtet waren, nicht gegen Polizisten.

In den Nachrichten konnte man heute sehen, dass auch Farbbeutel geworfen wurden. Auf Facebook ist ein Foto zu sehen, in dem ein Demonstrant einen Stuhl wirft. – Großes Hallo unter den Befürwortern, aber wer das war, was er damit wollte – und weshalb zufällig gerade Projektbefürworter in der Flugphase des Stuhls am Ort und am Auslöser waren, wird nicht gesagt.

Ich breche diesen Artikel an dieser Stelle ab, da es noch viel zu viele Einflüsse und Eindrücke zu verarbeiten gibt, die hier hinein gehören würden. Das geht gerade nicht. Aber ich werde heute Nachmittag, am Tag nach der übertriebenen und gewalttätigen Aktion, wieder in den Schlossgarten gehen und ggf. friedlichen Widerstand leisten.

Oben bleiben.

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Steppenwolf

On 29. September 2010, in Pösie, by mfb
Wolf

Wolf

Ich Steppenwolf trabe und trabe,
Die Welt liegt voller Schnee,
Vom Birkenbaum flügelt ein Rabe,
Aber nirgends ein Hase, nirgends ein Reh!
In die Rehe bin ich so verliebt,
Ach wenn ich doch eins fände!
Ich nähm’s in die Zähne, in die Hände,
Das ist das Schönste, was es gibt.
Ich wäre der Holden so von Herzen gut,
Fräße mich tief in ihre zärtlichen Keulen,
Tränke mich satt an ihrem hellroten Blut,
Um nachher die ganze Nacht einsam zu heulen.
Sogar mit einem Hasen wär ich zufrieden,
Süß schmeckt sein warmes Fleisch in der Nacht-
Ach, ist denn alles von mir geschieden,
Was das Leben ein bisschen fröhlicher macht?
An meinem Schwanz ist das Haar schon grau,
Auch kann ich nicht mehr ganz deutlich sehen,
Schon vor Jahren starb meine liebe Frau.
Und nun trabe ich und träume von Rehen,
Trabe und träume von Hasen,
Höre den Wind in der Winternacht blasen,
Tränke mit Schnee meine brennende Kehle,
Trage dem Teufel zu meine arme Seele.

Aus Hermann Hesse: Der Steppenwolf (1927)

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Feldhamster

Feldhamster

Wer hätte das gedacht? Zehntausende protestieren monatelang für die Einstellung des Projekts Stuttgart 21. Der Erfolg dieser Massenbewegung wurde jedoch vollendet durch den Alarm von Angestellten des städtischen Gartenbauamts. Sie stellten jüngst Ansiedelungen von Feldhamstern im Mittleren Schlossgarten fest. Die pelzigen Vierbeiner stehen unter strengem Naturschutz.

Daher hat der Regionalverband Stuttgart des BUND – Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V., Mitglied im Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21, eine einstweilige Verfügung auf Schutz sämtlicher mehrjähriger Pflanzen im betroffenen Gebiet gegen die Projektbetreiber erwirkt. Die 282 wegen der Baustelle bedrohten Bäume im Zentrum der Stadt Stuttgart dürfen damit nicht gefällt werden. Der Bau eines unterirdischen Bahnhofs im Herzen der Stadt nach aktuellen Plänen ist damit nicht mehr möglich. Die Bahn ließ in einer ersten Presseerklärung mitteilen, dass sie alternative Konzepte prüfen würde.

Unbestätigten Informationen aus Regierungskreisen zufolge seien in den letzten Wochen mehrfach Fahrzeuge des Freiburger Internet-Start-ups FHV – Feldhamsterverleih in unmittelbarer Nähe des Schlossgartens gesehen worden. Das Unternehmen züchtet und verleiht geschützte Tier- und Pflanzenarten. Neben Feldhamstern sind auch Biber, Fledermäuse und Molche im Angebot. Für eine Stellungnahme stand das Unternehmen bis heute nicht zur Verfügung.

Es ist nicht der erste bekannt gewordene Fall, in dem Feldhamster Bauprojekte stoppen. So berichtet Brand Eins vom Bau eines deutsch-niederländischen Businessparks bei Aachen, der bereits vor zwölf Jahren aufgrund Vorkommen dieser vom Aussterben bedrohten Tierart gestoppt wurde.

– In Stuttgart reine Fiktion –

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Zukunft?

On 27. September 2010, in Pösie, bisschen Spaß, nichts, by mfb

Heute Morgen habe ich mir geschworen:
Ich wasche mir nie mehr die Ohren!
Auch nicht die Beine und den Po!
Denn wer mich mag, mach mich auch so! :-)

Via Steffi K.

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Lügenpack

On 25. September 2010, in Stuttgart 21, by mfb

Lügenpack ist ein häufig gelesener und häufig gehörter Ausspruch im Stuttgart des einundzwanzigsten Jahrhundert, das unter der Bedrohung eines Milliarden(grab?)projektes steht.

Nun ist damit nicht gemeint, dass alle Exemplare der Spezies Projektbefürworter diesen Titel verdienen würden. Es gibt aber immer wieder welche, die ihn sich zu Recht erarbeiten. Ob es die Steine des Nordflügels sind, die lt. ‘Lügenbaron’ Wolfgang Drexler, seines Zeichens ehemaliger Projektsprecher, Stück für Stück abgetragen werden sollten – postwendend startete der Bagger sein destruktives Werk; Ob wichtige Gutachten vor wichtigen Abstimmungen unterschlagen werden; Ob Zahlen von Streckenauslastung ins Gegenteil verkehrt werden – oder ob Volksentscheide in Aussicht gestellt werden, um Wahlen zu gewinnen dann aber doch nicht umgesetzt werden. In Stuttgart und Baden-Württemberg gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich den Titel Lügenpack hart, aber unehrlich zu erarbeiten.

Hier ein aktuelles Beispiel, das durchaus in diese Reihe passt. Folgendes ist heute im FOCUS-Interview zu lesen:

Es gebe einen „nicht unerheblichen Teil von Berufsdemonstranten, zum Beispiel von Robin Wood, die der Polizei das Leben sehr schwer machen“, sagte der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) im FOCUS-Interview. Bei ihnen würden „Aggressivität und Gewaltbereitschaft zunehmen“.

Die namentlich verunglimpfte Organisation reagiert recht schnell mit einem Blog-Artikel “Gewaltbereite Berufsdemonstranten“:

Die Aktivist_innen, die sich in Stuttgart gegen das maßlose Projekt altrömischer Dekadenz namens Stuttgart 21 engagieren, tun dies zwar fantasievoll und mit Herzblut, aber immer ehrenamtlich und ausschließlich gewaltfrei. Der Namensteil unseres Vereins, Gewaltfreie Aktionsgemeinschaft, ist nicht nur eine Floskel und unsere anerkannte Gemeinnützigkeit bekämen wir bestimmt nicht durch das Aussenden von bezahlten Schlägertrupps.

Wer als Ministerpräsident einen zutiefst demokratischen Protest auf eine solch niederträchtige Art diffamiert, zeigt nicht nur die eigene Argumentationslosigkeit, sondern verhilft nur einem zur Wahrheit: Der Bezeichnung Lügenpack. Herr Mappus, wir erwarten eine Entschuldigung und Richtigstellung.

Zufällig habe ich mich gestern Abend ein wenig mit einer dieser Quasi-Terroristen unterhalten. Mein Eindruck war: außerordentlich friedvoll.

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Panik

On 25. September 2010, in Stuttgart 21, by mfb

Panik. Schläge und Tritte. Das war zu sehen nach der Demonstration gegen Stuttgart 21. Doch was genau ist geschehen?

Route um den Hauptbahnof Stuttgart. Original-Bildquelle © 2007 Deutsche Bahn AG.

Route um den Hauptbahnof Stuttgart. Original-Bildquelle © 2007 Deutsche Bahn AG.

Ich fange vorne an: Der Demonstrationszug wurde kurzfristig durch Polizei oder Ordnungsamt geändert. War es ursprünglich geplant, über die Schillerstraße zu starten, also direkt an der vielbefahrenen Frontseite des Bahnhofgebäudes, so begann die neue Route auf der -normalerweise noch mehr befahrenen – Heilbronner Straße auf der Nordseite. Diese war bereits polizeilich gesperrt.

Der Marsch startete daher also planmäßig am Nordflügelstumpf des Bahnhofsgebäudes und bewegte sich um das gesamte A1-Areal und Gleisanlagen hinter dem Bahnhof herum. Das A1-Areal enthält seit Jahrzehnten nur Brachland. Seit einigen Monaten steht dort jedoch ein riesiger Betonwürfel mit der Aufschrift “Library”. Ziel des Demonstrationszuges jedenfalls war der Südflügel des Bahnhofs, ebenfalls vom Abriss bedroht und derzeit in der Phase der Entkernung. Der Südflügel liegt an der Neckarstraße. Direkt auf der anderen Straßenseite befindet sich der Mittlere Schlossgarten. Damit war die geplante Strecke um den Bahnhof zwar kein Kreis, aber immerhin ein U.

Ich befand mich relativ vorne in dieser Menge, vielleicht im ersten Fünftel. Am Süd wurden wir bereits von der Polizei erwartet. Sie hatte die Straße gesperrt, so dass die Menge wusste, wieweit sie gehen durfte. Dummerweise hat die Polizei nicht die Mündung der Neckarstraße auf die Schillerstraße gesperrt, sondern eben diese. Die Folge: Demonstranten rücken auf und befinden sich auf der Schillerstraße. Doch die Demonstranten waren nicht allein, denn eine ordentliche Autoschlange wurde ebenfalls an der Passage der Schillerstraße gehindert. Menschen und Autos – und ein Bus – befanden sich nun auf der von der Polizei abgesperrten Straße.

Polizeisperrung Schillerstrasse am 24.09.2010

Polizeisperrung Schillerstrasse am 24.09.2010

Die PKW-Fahrer warteten bei meiner Ankunft bereits. Manche waren ausgestiegen und rauchten. Richtig verärgerte oder genervte Fahrzeuginsassen habe ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesehen. Die Menge war friedlich. Jedenfalls haben die Demonstranten naturgemäß aufgeschlossen, so dass sich nun auch die Schillerstraße immer mehr gefüllt hat. Nach vielleicht fünfzehn, zwanzig Minuten blickte ich auf den weißen, fast unbesetzten Reisebus, der in Höhe des Hotels am Schlossgarten stand. Ich konnte nicht ganz genau erkennen, was passierte, jedenfalls waren Passagiertür und Busfahrertür mal geöffnet, mal geschlossen. Am Steuer saß eine junge Frau, daneben stand eine Dame mit weißem Pulli oder Jacke an der Stelle im Bus, die man während der Fahrt ja niemand betreten darf. Sie kommunizierten lebhaft.

Dann traute ich meinen Augen nicht: ein Gemenge! Wurde die junge Busfahrerin von den Menschen an ihrer offenen Tür geschlagen oder hat sie etwa die Menschen getreten? Ich konnte es nicht genau erkennen und auch nicht glauben, dass es hier eine Ausschreitung geben sollte. Ich wollte es auch nicht glauben, dass die Fahrerin von ihrem erhöhten Sitz auf die Menschen tritt. Wieso sollte sie auch? Fatamorgana.

Dann aber plötzlich schlug die Fahrerin wie ein eingeengtes, wütendes Tier um sich und gegen die weiße Dame – Wer war das überhaupt, Eine Demonstrantin? Eine Kollegin? Ein Passagier?  Sie blieb souverän und ruhig und wich nicht von ihrer Position. Dann geschah Unglaubliches: Die panische Fahrerin ließ den Motor an und machte Anstalten, loszufahren – und fuhr los. Nur zur Verdeutlichung: Es befand sich eine dichte Menschenmenge unmittelbar vor ihrem Bus und die Straßensperrung der Polizei war noch intakt. Zwar wurden die vorderen langsam durchgelassen, aber ein Mensch mit gesundem Verstand hätte gesehen, dass von der Busposition aus kein Durchkommen möglich war.

Ein letzter Funken Vernunft hinderte die Busfahrerin wohl, noch schneller anzufahren und die Dame in Weiß arbeitete weiter an ihrer Mission – zum Glück erfolgreich. Der Bus stoppte nach wenigen Metern, ohne dass es zu Verletzungen gekommen wäre. Der Bus wurde anschließend von der Polizei aus der ‘Gefahrenzone’ gesteuert und blieb hinter der Absperrung stehen.

Ich habe das Geschehen aus ca. 15-20 m Entfernung beobachtet und bin überzeugt: Hier standen Menschenleben auf dem Spiel. Eine Busfahrerin mit Nervenzusammenbruch, die ihren Bus startet und in die stehende Menschenmenge fährt, das muss nicht zwangsläufig gut ausgehen. Danke, Dame in Weiß, wer immer Sie sind.

Links:

Politblogger: Ein Sachverhalt, zwei Darstellungen

Bei Abriss Aufstand: Augenzeugenbericht: Vorfall mit Reisebus, 24.09.2010

unsere-stadt.org: Berufsdemonstrant_2

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